• Susanne Geißler-Helten

Aufgaben und Ziele des Faches Deutsch am EKG


Deutschunterricht - Alltag zwischen "Alten Schinken" und dem Unwillen mehr als ein "WGS" zu schreiben...

Fragt man heutzutage Schülerinnen und Schüler, was sie am Unterrichtsfach Deutsch besonders mögen, so antworten sie in Klasse 5 und 6 noch begeistert und ohne lange zu überlegen: Geschichten hören und selber schreiben, Gedichte erfinden und gestalten, Theaterstücke schreiben und aufführen, Sprachforscher und Satzbaudetektive sein, Bücher vorstellen und Projekte zu Jugendbüchern gemeinsam erleben, eifrig Stempel für den Lesepass sammeln, regelmäßig die Bibliothek besuchen usw.  In der Mittelstufe sieht das schon etwas anders aus, die Liebe zum Rechtschreib- und Grammatikunterricht nimmt ab, das Aufsatzschreiben wird als sehr lästig empfunden, da man sich ja lieber per Whatsapp oder sonstigen für die Schüler als  kommunikativer angesehenen Wegen mit "wms, lol, wgs" unterhält. Und selbst in der Oberstufe sind die Erwartungen der SchülerInnen sehr different: Von "Deutsch kann doch jeder" oder der Erwartungshaltung bloß keine "Alten Schinken" (Originalzitat) lesen bis zu einem breitem Stöhnen, bei jeder neuen Novelle, jedem neuen Roman oder Drama was als nächster Lesestoff angekündigt wird. - DeutschlehrerInnen heute stehen also vor der großen Herausforderung in diesem Spannungsfeld von Urteilen und Ablehnung ein Fach zu unterrichten, das in seinem Aufgaben- und Zielbereich notwendige und Basis schaffende Schlüsselkompetenzen für alle Fächer enthält.


Die Ziele und Aufgaben des Deutschunterrichts müssen vor den veränderten Rahmenbedingungen der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung der letzen Jahre gesehen werden. Die Verständigung breiter Schichten der Gesellschaft, vor allem von Kindern und Jugendlichen wird zunehmend formelhafter und signifikanter - moderne Kommunikationsformen, wie oben schon angedeutet, schaffen sich Raum und sprechen die SchülerInnen besonders an. Die Lebensgewohnheiten und Freizeitgestaltung junger Menschen werden durch die Vielzahl von Medien geprägt. - Das Medium Buch wird also durch Fernsehen, Videos, Computer und Internet ergänzt - sie erweitern zum Einen die Möglichkeiten flexibel und selbstgesteuert zu lernen oder sich analysierend und gestalterisch mit Sprache auseinanderzusetzen, zum Anderen führen Sie aber auch zu einem Rückgang der Kommunikation - die SchülerInnen haben weniger Möglichkeiten aktiv mit Sprache zu agieren und empfinden das Anfertigen von Texten im Deutschunterricht als eine künstliche Situation.


Dem Deutschunterricht kommt demnach die Aufgabe zu das Medium Sprache für Kinder und Jugendliche lebendig zu halten und die Erweiterung der sprachlichen Handlungsfähigkeit als Grundbestandteil der Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit begreifbar zu machen. "Durch Sprache ist der Mensch in der Lage, seine Umwelt zu erfassen und in Kontakt mit seinen Mitmenschen zu treten. Sie befähigt ihn, andere zu verstehen, den eigenen Standpunkt zu erklären, zu verteidigen oder zu revidieren, sowie seine Rechte und Pflichten in der Gesellschaft wahrzunehmen." (Lehrplan Deutsch des Landes Rheinland-Pfalz, Didaktische Aspekte,10/1998) Daneben verfügt die Sprache mittels der Literatur über vielfältige Wirkungsmöglichkeiten. Günter de Bruyn schreibt in seinen Essays über Bücher und Menschen: " Ohne Frage können für jeden, der mit Büchern lebt, einige von ihnen zu Lebensereignissen werden. Das müssen nicht nur Lieblingsbücher sein, die man immer wieder zur Hand nimmt und jedesmal, mit erweitertem Wissen und anderen Erfahrungen, [Wertvorstellungen, Ethik und Moral] neu entdeckt. Oft sind es gerade solche, die mit einmaligem starken Einfluß ihre Aufgabe erfüllt haben. Sie kreuzen an einem entscheidenden Punkt unseren Weg ..." (De Bruyn, 1996) Nichtzuletzt soll, muss und kann, wie später hier noch dargestellt wird, der Deutschunterricht dieser Punkt sein.


Neben der Sprachkompetenz, die wie gerade gezeigt wurde, entscheidend zu einer allgemeinen Handlungskompetenz führt, nimmt die Lesekompetenz einen besonderen Stellenwert nicht nur innerhalb des Deutschunterrichts allgemein, sondern besonders im Fachbereich Deutsch am Erich-Klausener-Gymnasium ein. Die KollegInnen haben sich in den Jahren seit der Verankerung der Stärkung der Lesekompetenz im Qualitätsprogramm unserer Schule intensiv mit Vorhaben zur Förderung der Lesemotivation, Weiterentwicklung der Lesekompetenz auseinandergesetzt und Vieles auf den Weg gebracht. Systematisch entwickelt, erprobt und ritualisiert wurde in diesem Zusammenhang die Förderung der Lese- und Rechtschreibkompetenz in Klasse 5 und 6, deren aktuelle Evaluation zeigt, dass unser Förderkonzept positive "Früchte" trägt.


Ferner erscheint es uns wichtig, durch durch eine Auswahl lebensnaher Unterrichtsinhalte und dem zu Grunde legen eines offenen Textbegriffs, der Zeitung, Film, Fernsehen, Videos, Songtexte und Sachtexte einschließt, den Schülern in ihren Lebensumfeld zu begegnen. Dabei nimmt der verantwortungsbewusste Umgang mit Medien sowie deren kreative Nutzung eine große Rolle ein. Durch die vielfältige Textrezeption sowie die Textproduktion im Fach Deutsch, eröffnen sich uns vielfältige Möglichkeiten, den Schülern Türen zur Erweiterung und Differenzierung ihrer kommunikativen Möglichkeiten, ihrer kognitiven Kräfte sowie ihrem Selbst- und Werteverständnis aufzuschließen - beziehungsweise im Sinne der Selbst- und Problemlösekompetenz ihnen die Schlüssel zum eigenverantwortlichen "Aufschließen" der Türen in die Hand zu geben.


Die Fachschaft Deutsch wünscht Ihnen einen angenehmen Aufenthalt auf unserer Fachschaftsseite und hofft, dass Sie auf viele interessante Inhalte stoßen, die Ihnen hoffentlich einen Einblick in unserer tägliche Unterrichtsarbeit am EKG ermöglichen.

(Gei für die Fachschaft Deutsch)




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