• Volker Kämpf, OStR

Das Centro in Oberhausen – Fluch oder Segen?



Am 23.01.2020 unternahmen wir mit den EK–Leistungskursen und dem GE-Leistungskurseine Exkursion ins Ruhrgebiet. Nach dem Besuch der Zeche Zollverein, einem seit 1986 stillgelegtem Steinkohlebergwerk in Essen, besuchten wir das Centro in Oberhausen. Wir erhielten einen Einblick in ein Stadtentwicklungsprojekt vor dem Hintergrund des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Doch wenn man das riesige Areal betrachtet, das ca. 83ha mit 10.500 Parkplätzen und einer Gesamt – Verkaufsfläche von 73.300 m² einnimmt, treten Zweifel auf, inwiefern sich das Stadtentwicklungsprojekt rentiert hat. Allerdings stellt sich nicht nur für die Stadt Oberhausen, sondern insbesondere für die Einheimischen die Frage: „Fluch oder Segen für die Region?“ Auslöser für den Strukturwandel im Ruhrgebiet war die Kohlekrise Ende der 1950er –Jahre. Diese entstand zum einen durch die sinkende Nachfrage der Kohle, da immer mehr Kohle, die zu einem niedrigeren Preis angeboten wurde, aus dem Ausland importiert wurde und zum anderen durch die im Ruhrgebiet entstandene Monostruktur, wodurch die Region wirtschaftlich abhängig vom Kohleabbau war. Die Folgen dieser Krise warenzahlreiche Stilllegungen und Schließungen vieler Zechen und damit einhergehend der Verlust vieler Arbeitsplätze. Es musste also etwas unternommen werden, um die Existenz der Menschen nicht ganz zu ruinieren. Ein Beispiel für eine Umstrukturierung der Wirtschaft in einen anderen Wirtschaftszweig ist der Bau des Centros in Oberhausen. In einem Interview nimmt der Architekt Walter Brune Stellung dazu, ob das Centro ein Erfolg oder eine Enttäuschung für die Region war. Im Zuge des Strukturwandels ist in Oberhausen, geprägt von einem Verlust von ca. 40.000Arbeitsplätzen und einem massiven Abfluss von Kaufkraft, die Stadtmitte verlorengegangen und es entstanden drei Teilzentren. Diese Teilzentren sind im Laufe der Jahre stark aufgewertet worden und bilden nun die Nahversorgungszonen der Stadt. Außerdem ist die Neue Mitte Oberhausen (NMO) entstanden, wo auch das Centro gebaut wurde. Positiv ist, dass das Shoppingcenter zum stärksten touristischen Anziehungspunkt im Ruhrgebiet geworden und über 20 Mio. Besucher aus ganz Europa dort eintreffen, welche Kaufkraft in die Region bringen. Aber auch viele weitere Attraktivitäten in Oberhausen und im Ruhrgebiet profitieren von den Touristen. Zudem sind in der Neuen Mitte Oberhausen12.000 Arbeitsplätze, davon 3.000 im Centro, entstanden. Doch Walter Brune erwähnt in seinem Interview auch einige negative Aspekte, die einen Erfolg und somit die Frage nach dem Segen für die Region stark in Frage stellen. Obwohl die sogenannte Neue Mitte Oberhausen erschaffen wurde, hat der eigentliche Stadtkern Oberhausens an Attraktivität verloren. Die Haupteinkaufsstraße, die Marktstraße ist verlassen und man findet nur noch geschlossene Geschäfte vor. „Die Stadt ist kaputt“, so die Aussage von Walter Brune. Des Weiteren ist durch den Wegfall des Einzelhandels in der Innenstadt der Gebäudewertstark gesunken. Die leerstehenden Gebäude sind also quasi wertlos, da sie sich als Wohnhäuser nicht eignen und als Büros nicht zu vermieten sind. Und nicht nur der Gebäudewert ist gesunken, auch die Lebendigkeit der Innenstadt ist dahin. Ein weiterer Aspekt, der das Centro immer weiter in Richtung Fluch rutschen lässt, ist, dass der Bereich des Centros nichts weiter als triste Gebäude mit Parkplätzen und Parkhäusern verspricht, die um 22.00 Uhr schließen und ab dann wie ausgestorben sind.1

Und ist das Centro geöffnet, ist es hauptsächlich von junger Kundschaft besucht. Die hat allerdings in den meisten Fällen eine sehr geringe Kaufkraft. Außerdem zahlen die meisten Mieter an dem Standort Gewerbesteuer, an dem ihre Verwaltung liegt. Da in einem Shoppingcenter meist große Filialketten vertreten sind, befinden sich deren Verwaltungen nicht direkt in Oberhausen. Durch die fehlenden Gewerbesteuereinnahmen erlangt die Stadt Oberhausen selbst keinen wirtschaftlichen Vorteil. Doch eines der größten Probleme ist der große Verlust der Arbeitsplätze infolge der Kohlekrise Ende der 1950er – Jahre. 40.000 Arbeitsplätze sind innerhalb weniger Jahre verloren gegangen. Im Zuge der Aufwertung der Teilzentren und des Centrobaus sollten12.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Doch dies konnte niemals eingehaltenwerden. Allein im Centro entstanden nur 3.000 neue Arbeitsplätze. Und obwohl noch weitere Arbeitsplätze in anderen Projekten entstanden, war dies kein Ausgleich für die verlorenen 40.000 Arbeitsplätze. Zudem ist ungefähr die gleiche Anzahl an Arbeitsplätzen, die im Centro geschaffen wurden, im Einzelhandel der Innenstadt verloren gegangen. Somit entsteht ein Null-Summen-Spiel. Allerdings sollte man neben dem wirtschaftlichen und dem sozialen Aspekt auch den ökologischen nicht außer Acht lassen. Der Bau des Centros und des umliegenden Geländes hat auch einiges an Fläche in Anspruch genommen. Mit einer Größe von ca. 83ha wurde ein Großteil des Bodens versiegelt und Naturraum zerstört. Durch erhöhtes Verkehrsaufkommen verursacht durch Besucher, Zulieferer und Lärm wird ebenfalls die Umwelt stark belastet. Aus den oben genannten negativen Aspekten ist der Bau des Centro meiner Meinung nach ein Fluch für die Region. Wirtschaftlich trägt das Shoppingcenter nicht zur Verbesserung bei und auch für die Einheimischen ergeben sich keine Vorteile. Es wurden zwar Arbeitsplätze geschaffen, jedoch stehen diese nicht im Verhältnis zu dem großen Verlust an Arbeitsplätzen aus der Kohlekrise. Zudem werden ältere Menschen, die ihren Job verloren haben, höchstwahrscheinlich bis zum Ende ihres Lebens arbeitslos bleiben. Im Jahr 2008 lag die Arbeitslosenquote in Oberhausen bei 10,5%. Die meisten Arbeitslosen befanden sich in einem Alter von 25 – 50 Jahren. Zum einen nehmen viele Menschen ab einem gewissen Alter keine Umschulung in ein anderes Berufsfeld mehr vor und zum anderen werden sie ab einem gewissen Alter nicht mehr von Arbeitgebern eingestellt. Die Investitionen für dieses Stadtentwicklungsprojekt hätte man auch anderweitig verwenden können.

(31.01.2020 | Sophie Nelles, MSS12)



Quellen:

  1. Arbeitsmaterialien www.ruhrbarone.de/ruhrgebietskiller-centro-ein-interview/4990#

  2. https://www2.klett.de



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